Ein paar Gedanken und Techniken zum Digitalisieren von analogem Filmmaterial

Ich erinnere mich noch genau an meinen ersten Film, den ich auf Mittelformat mit meiner Mamiya m645 geschossen habe. (Ist ja auch nur 3 Jahre her :-))

Ich hatte den seit 20 Jahren abgelaufenen Mittelformatfilm mit dieser 40 Jahre alten Kamera belichtet und freute mich wie ein kleines Kind, als ich Post vom Labor mit den entwickelten Dias bekam. Meine Aufregung war groß, schließlich wusste ich nicht, ob der Film noch brauchbar war oder ob ich gerade ein wenig Geld und eine Menge Zeit auf den Kopp gehauen hätte. Aber nein, die Ergebnisse waren klasse. Die anfängliche Euphorie wich aber schnell einem Gefühl von Ratlosigkeit… was mach ich denn jetzt mit den Dias?

Natürlich möchte ich meine Fotos gerne zeigen und das nicht nur den Nachbarn, daher war klar: Ich muss die Bilder irgendwie digitalisieren.

Einen Scanner hatte ich leider gerade nicht zur Hand, also „baute“ ich mir etwas ähnliches mit Hausmitteln. iPad, Glasscheibe, Kamera und Makroobjektiv, muss doch theoretisch auch irgendwie gehen. Ein paar Schnappschüsse später hatte ich immerhin ein digitales Foto, was so ähnlich aussah, wie das was ich als Dia in der Hand hielt. Naja immerhin… dass ich dann aber trotzdem wieder pro Bild eine Weile in Photoshop verbringe, widersprach irgendwie meiner Grundidee, weswegen ich überhaupt analog fotografiere. Also musste doch ein Scanner her.

Mein erster „Scanversuch“

Schnell ein wenig Halbwissen angelesen und den ersten „Consumer“ Scanner bestellt, der Mittelformat- & 35mm Filme frisst (Canon Canoscan 9000f Mark II). Mit der überaus unergonomischen Software Silverfast scannte ich das gleiche Dia und… hm, sieht jetzt auch nicht viel besser aus. Alles irgendwie so flau und unscharf. Also doch noch mal tiefer in das Thema einlesen…

Angekommen bin ich mittlerweile bei einem anderen Scanner Epson F-3200, den ich günstig bei ebay geschossen habe, Vuescan als Scansoftware und it8 Colortargets von Wolf Faust. Das erschien mir die kostenneutralste Lösung zu sein (ansonsten hätte ich mir wohl einen Epson Perfection V700 geholt, der kostet aber so viel wie eine neue Kamera).

Die Ergebnisse aus dem Epson sind ganz in Ordnung. Vor allem die Polaroids lassen sich recht ordentlich scannen. Ich habe aber trotzdem das Gefühl, dass ich noch nicht den original Charakter des Bilder, die Brillanz, die Schärfe etc. einfangen kann. Ich finde es faszinierend ein großes Mittelformat-Dia in der Hand zu halten. Es gelang mir bisher aber nicht, diesen Eindruck digital zu reproduzieren.

Doch abfotografieren?

Ich war leicht amüsiert, als ich den Artikel „Why you should digitize your film using a camera instead of a scanner“ zufällig im Netz fand. Als ich den Artikel dann aber gelesen hatte war ich doch, nicht zuletzt aufgrund der Screenshots, recht überrascht über die Detailfülle der gezeigten Bilder. Vielleicht ist ja doch was dran?

Also neuer Versuch mit ein paar Anpassung und siehe da… nicht schlecht, Herr Vogel.

Dia mit Canon 5D Mark 3 & 100mm Macro abfotografiert

Dia mit Canon 5D Mark 3 & 100mm Macro abfotografiert

Vor allem die feinen Details kommen mit der Fotografiermethode ganz gut rüber. Ein 6×4,5cm Mittelformat Dia hat so am Ende ca. 45 Megapixel… Nicht schlecht. So sieht das bei 100% aus:

Scan2

Mich stört aber immer noch, dass man eigentlich Schindluder mit den Farben und Kontrasten treibt. 100% Farbecht wird es wohl nie werden und man muss doch wieder Pi-mal-Daumen an den Reglern rumspielen. Suboptimal.

Mein Aufbau sieht jetzt mittlerweile folgendermaßen aus:

Scan Aufbau

Keine Rocket Science: iPad, 3x IKEA Rahmen und die Kamera

Fachlabore

Beide Ansätze, sowohl scannen als auch abfotografieren, haben ihren Charme. Der Königsweg sind aber beide nicht. Es gibt ja auch noch eine dritte Option: Vom Labor scannen lassen.

Zugegeben, in Deutschland habe ich noch kein Labor gefunden, das mit einem ordentlichen Scanner (z.B. Fuji Frontier Minilab) zu bezahlbaren Preisen hochwertige Ergebnisse liefert. Deshalb habe ich meine Filme jetzt schon zwei Mal nach Spanien zu Carmencita Film Lab geschickt. Die Scans sind der Hammer, allerdings verliere ich dadurch auch immer 3 Wochen… für einen ungeduldigen Menschen wie mich… schwierig.

Bei allen Methoden sind mir zwei Dinge wichtig: Es darf kein Monster Aufwand und der Prozess muss halbwegs standardisierbar sein. Ich habe überhaupt keine Lust jedes einzelne Bild in Photoshop zu vergewaltigen, bis man halbwegs realitätsnahe Ergebnisse bekommt. Ich möchte mit ein paar Aktionen, selbstgebauten Presets und Color Targets schnell ans Ziel kommen. Das klappt mit Polaroids und Dias einigermaßen gut. Für Farbnegative habe ich noch nicht die optimale Lösung gefunden. Da bleibt mir bisher nur Carmencita.

Was hälst Du davon?